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Alchemie
Die Alchemie ist die philosophische und protowissenschaftliche Praxis, die in der hellenistischen Welt (3.-4. Jahrhundert n. Chr.), im arabischen Mittelalter, im lateinischen Europa und in China verbreitet war und darauf abzielte, "unedle" Metalle in Gold zu verwandeln, den Stein der Weisen und das Elixier des langen Lebens zu erhalten. Sie gilt als Vorläuferin der modernen Chemie und hat ein reiches symbolisches Erbe hinterlassen.
Operative und spirituelle Alchemie
Die Alchemie hat zwei klassische Ebenen. Operativ: die Laborpraxis (Destillation, Kalzinierung, Auflösung usw.) zur Umwandlung von Materialien. Spirituell: die innere Verwandlung des Alchemisten, in der "Blei" und "Gold" zu Symbolen psychischer Zustände werden. Carl Gustav Jung las die Alchemie in den 1930er Jahren als symbolische Vorwegnahme des psychologischen Individuationsprozesses.
Erbe
Begriffe wie "Elixier", "Geist", "Essenz", "Tinktur" stammen aus dem alchemistischen Wortschatz. Viele Labortechniken (Alambik, Sublimation) gingen aus der alchemistischen Praxis in die wissenschaftliche Chemie über. Die alchemistische Symbolik (Sonne-Mond, König-Königin, Drache, Ouroboros) inspirierte Maler, Literaten und jungsche Analytiker.
FAQ
Ist es Wissenschaft?
Nicht im modernen Sinne. Sie ist eine Proto-Wissenschaft, die zur Entstehung der Chemie beigetragen hat, aber mit einem heute überholten symbolischen theoretischen Rahmen.
Hat sie wirklich Blei in Gold verwandelt?
Nein, das ist unter irdischen Bedingungen chemisch unmöglich. Die Transmutation bleibt eine Metapher für den Prozess der inneren Verwandlung.
Was ist das "Grosse Werk"?
Der alchemistische Begriff für den vollständigen Verwandlungsprozess, unterteilt in drei oder vier Phasen: Nigredo (Schwarz), Albedo (Weiss), Citrinitas (Gelb), Rubedo (Rot).